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Ai ya!

Während ein Deutscher "Autsch!" oder "Aua!" sagen würde, sagte der Chinese:
哎呀   āi yā!
Der Ausruf kann auch "Ach Herrjeh!" oder "Oh Jemine!" bedeuten.
Xianlei erzählte mir, dass sie diese Vokabel in ihrer frühen Schulzeit im englisch Unterricht gelernt hat. Sie diskutierte anschliessend mit ihren Mitschülern, wie eigenartig es sei, dass ein Ausländer, der sich verletzt diese gelernte Vokabel seiner jeweiligen Fremdsprache zur Anwendung zu bringt, statt wie ein vernünftiger Chinese das Naheliegende zu tun und ohne lange nachzudenken, herauszuschreien, was die Natur für solche Fälle reserviert hat: "Aiya!!".

Eine Alternative Schreibweise für 哎呀 (āi yā) ist 啊呀 (ā yā). Die Aussprache ist (nahezu) Identisch. Xiao He sagt, in der Anwendung gibt es auch keinen Unterschied. Ihre persönliche Präferenz sei aber "Ai ya!".
Anfangs fand ich es ungewöhnlich, dass die Chinesische Sprache auch für solche Ausrufe von Schmerz und Erstaunen ganz normale Schriftzeichen benutzt. Diese Zeichen können unter gar keinen Umständen in Substantiven zum Einsatz kommen: Sie sind nur für den Ausruf gedacht.

Albi hat mir neulich erklärt, dass jede Sprache nur eine sehr begrenzte Anzahl von Funktionen hat. Ich meine mich zu erinnern, "Ausruf von Schmerz oder Überraschung" sei eine Kategorie gewesen, die ganz normale "Übermittlung von Information" eine Andere.
Dann gab es noch "Aussagen über die Sprache selbst" und "Aussagen, die das Medium betreffen, welches die Sprache übermittelt". Z.B. das "hallo?" was man am Telefon sagt, wenn man vermutet, dass die andere Seite bereits aufgelegt hat.

(Falls die diese Zeilen lesen solltest, Albi, möchte ich Dich ermutigen, diese Aufzählung zu korrigieren und zu ergänzen ;-) )

Comments (3)

Mischa:

Der Franzose bewegt sich wie immer in der goldenen Mitte: in diesem Falle zwischen dem chinesischen und dem deutschen Schmerzensruf: nicht aua, nicht aiya, sondern ai!

Albi:

Du meintest wahrscheinlich die 6 Textfunktionen nach Roman Jakobson:

referentiell:
Die Mitteilung bezieht sich auf Sachverhalte / Kontext. z.B.: "Dort steht ein Auto"

emotiv:
Bezug auf den Sprecher. zB. der Ausdruck von Ärger, Freude, Ironie, etc.

konativ:
Hier wird versucht, auf den Hörer einzuwirken (auf seine Einstellungen, Absichten, Handlungen). zB.: "Mach mal das Fenster auf!"

phatisch:
Die Mitteilung bezieht sich auf Herstellung oder Aufrechterhaltung des Kommunikationskanals. z.B.: "Hallo, kannst Du mich hören?"

metasprachlich:
Hier wird der bei der Kommunikation verwendete Kode selbst zum Thema gemacht. zB.: "Was bedeutet 'Schrippe'?"

poetisch:
Bezug auf die Mitteilung selbst, nicht auf andere Konstituenten des Kommunikationsprozesses.


Der paralinguistische Ausdruck "Aua!" kann hier der emotiven Funktion zugeordnet werden.

Kolja Wilcke:

Danke, Albi! Du hast das Niveau meines Weblogs mit Deinem Beitrag gleich um Kategorien angehoben!
Ich erinnere mich, dass Du in unserem Gespräch ebenfalls "Was bedeutet Schrippe" als Beispiel für metasprachliche Textfunktion angeführt hattest :-)

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