Das diesjährige 27. September-Protokoll schreibe ich erst am 3. Oktober und obwohl ich versucht habe mir genau zu merken was ich am letzten Dienstag gemacht habe, verschwimmen die Ereignisse etwas mit den anderen Tagen in dieser Woche.
Interessant ist meine Situation in diesem Jahr:
Die letzten vier Monate habe ich in Hong Kong verbracht, wo ich auf Lamma Island eine Wohnung gemietet habe. Diese Wohnung ist nicht toll, aber mitten im Grünen gelegen und mit der Fähre nur 20 Minuten vom Stadtzentrum ("Central") entfernt.
Gleich nach meiner Ankunft bin ich der Hong Kong Aikido Association beitetreten und habe einen Internet-Anschluss bekommen.
Diese beiden Dinge – Internet und Aikido habe ich in Zhuhai immer sehr vermisst.
Das Leben in Hong Kong hat aber auch Nachteile für mich: Alles ist so teuer, dass ich meinen Lebensstandard wieder auf "bescheiden" zurück schrauben, und selbst kochen muss. Zum Glück besitze ich einen Gasherd und Ragna und Jan haben mir einen Wok geschenkt. Es gibt jeden Tag Gemüse mit Reis, meistens ziemlich scharf, mit viel Knoblauch und Ingwer.
Eine Andere Sache, die mich an Hong Kong stört ist, dass niemand Mandarin sprechen kann und ich nicht besonders motiviert bin, Kantonesisch zu lernen.
Zwar nehme ich an einem kostenlosen Kantonesisch- Kurs teil, den Emily, auf Lamma bekannt für "Emily's Icecream parlor", veranstaltet, aber in Hong Kong wird überall Englisch verstanden – und eigentlich finde ich: _ein_ Chinesisch-Dialekt reicht!
Unterm Strich gefällt es mir aber so gut in Hong Kong, dass ich gerne länger hier bleiben möchte. Es ist, dank liberaler Gesetzgebung auch für Ausländer leicht möglich eine Firma (limited) zu gründen und ich war drauf und dran den "Minhang Raceclub Hong Kong" aus der Taufe zu heben, als Jutta und Bernd mir eine sehr interessante Alternative vorgeschlagen haben, die mich voraussichtlich schon dieses Jahr wieder zurück nach Berlin bringen wird.
Zunächst habe ich Zhang Yiping versprochen auch in diesem Semester an der BNU zu unterrichten. So kam es, dass ich den 27. September auch dieses Jahr wieder in Zhuhai verbracht habe.
Vormittag:
Der größte Teil des Vormittags verging mit meiner Bemühung, warmes Wasser zu organisieren, denn nach meiner Rückkehr musste ich feststellen, dass der Boiler den Geist aufgegeben hatte. Drei Handwerker erschienen, Minuten nachdem ich das Problem gemeldet hatte, konnten den Boiler aber auch nicht reparieren und wollten daher die fünfjährige Garantie des Herstellers in Anspruch nehmen. So musste ich leider auch den Rest der Woche kalt duschen.
Zum Mittagessen traf ich mich mit Liu Haiping im Lao Beijing, wo wir Tofu und Lamm assen.
Anschliessend, um zwei Uhr begann mein 3d-Kurs im Computer-Raum der Universität. Am Tag zuvor haben meine Schüler die Hälfte des Unterrichts damit zubringen müssen, die 3D Software zu installieren. Das ist meiner Meinung nach unzumutbar. Da der Unterricht nun in einem anderen Klassenraum stattfinden sollte, zeichnete sich ab, dass schon wieder ein grosser Teil der Unterrichtszeit sinnlos verschwendet werden würde, aber Li Xueshi sorgte dafür, dass der Installations-prozess diesmal schnell und reibungslos über die Bühne ging. Wir hatten also viel Zeit um uns mit den Grundbegriffen des "Polygon Modeling" zu beschäftigen.
Am Ende des Tages – nachdem ich eine Stunde überzogen hatte – waren alle in der Lage eine Tasse mit Henkel zu bauen.
Zum Abendessen gab es rohe Kartoffelschnipsel mit Essig (ich liebe es), die ich allein im Kai Wan Xiao zu mir nahm. Eigentlich hatte ich mich mit Liu Jing treffen wollen, aber sie hatte schon gegessen. Wir trafen uns anschliessend in meiner Wohnung und ich lernte an diesem Abend die Regeln von Xiang Qi – dem chinesischen "Elefanten"-Schachspiel. Wir spielten die ersten zwei Partien meines Lebens.
Comments (2)
hi Kolja,
3d-unterricht-- arbeitest du immer noch mit cinema 4d?
Posted by christoph | October 12, 2005 10:07 AM
Posted on October 12, 2005 10:07
Ja, Cinema 4D XL R9.2
Posted by Kolja Wilcke | October 27, 2005 9:14 AM
Posted on October 27, 2005 09:14